Der dritte lateinische Text

Ja, Sie lesen richtig! Es gibt diesen dritten lateinischen Text. Er ist jedoch – meines Wissens – nirgends gedruckt worden, und die Existenz einer Handschrift von Nostradamus kann nur vermutet werden; sie ist vielleicht, wie seine geheimnisvollen Bücher, vom Seher dem Feuer übergeben worden – present à Vulcan (Brief C [1077]).

Gegenüber den ersten und zweiten lateinischen Texten, die, abgesehen von der Reihenfolge der einzelnen Textteile, ident sind, lautet der dritte lateinische völlig anders. Man erhält ihn auch erst dann, wenn man die Quatrains gemäß dem Schlüssel chronologisch geordnet hat. Dadurch werden auch die zugeordneten Buchstaben neu geordnet – und ergeben einen neuen, eben den dritten lateinischen Text! Dieser Text folgt einem genau eingeteilten Schema, das zeigt, dass jedem Jahrhundert, das in den Centurien behandelt wird, 158 Buchstaben des lateinischen Textes zugeordnet sind. Diese 158 Buchstaben verteilen sich auf jeweils 27 Wörtern für jedes Jahrhundert. Es gilt 158 mal 6 = 948 und 27 mal 6 = 162.

Die je 158 Buchstaben entsprechen einer gleichmäßigen Aufteilung der Quatrains auf die sechs Jahrhunderte. Die Anzahl der Wörter (162) entspricht jener des ersten (bzw. zweiten) lateinischen Textes. Auch hier zeigt sich die gleiche Wortanzahl, wie Nostradamus dies für die Anagrammbildung angewandt hatte. Seine Prinzipien hat er stets beibehalten. Der dritte lateinische Text ist somit nichts anderes als ein riesiges Anagramm des ersten lateinischen Textes.

Diese Zahlen 6, 27 und 158 stehen, wenn man den Zusammenhang kennt, am Ende des Briefes an den König Heinrich. Es heißt dort:

De Salon, ce 27. de Iuin, Mil cinq cens cinquante huit.

In diesem Text lassen sich die Zahlen 27, 6 (für Iuin) und 158 (cens cinquante huit) leicht erkennen. Eine einwandfreie Bestätigung des erwähnten Schemas.

Dem dritten lateinischen Text entsprechen also die Quatrains der chronologisch richtigen Reihenfolge. Ferner ermöglicht dieser Text die Reihung von Quatrains, die sich auf dasselbe Jahr beziehen. Nostradamus hat etwa besonders intensiv die Zeit Napoleons mit Versen belegt. Es zeigt sich bei richtiger Entschlüsselung, dass die Zeitabläufe exakt mit der Historie in Einklang zu bringen sind. Hierbei muss beachtet werden, dass sich das Jahr eines Quatrains stets auf das Geschehen der ersten Verszeile bezieht.

Die Veröffentlichung dieses Textes ist erst zu einem späteren Zeitpunkt geplant.